Politische Fachzeitschriften: Informiert im Alltag

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In Zeiten von Flüchtlingskrisen, monatelangen Regierungsfindungsphasen und rechten Parteien im Bundestag, ist Politik so emotional aufgeladen wie schon lange nicht mehr. Die Vermittlungsarbeit zwischen Politik und Gesellschaft leisten die Medien, in Form von politische Fachzeitschriften, Fernsehbeiträgen oder über diverse Kanäle im Internet. Eigentlich. Denn die deutsche Presselandschaft hat ein Imageproblem. „Lügenpresse“ heißt es von rechts, links und zum Teil aus der Mitte. Lügenpresse bedeutet kein Vertrauen in die unabhängige Berichterstattung der Medien. Stattdessen liest man sich an wortreichen Ergötzungen im Netz satt. Denn plötzlich hat jeder eine Meinung zu allem und je stärker sie polarisiert, desto besser. In Zeiten des Internets ist es einfacher, an die Meinungen anderer heranzukommen und wenn die breite Masse ein „Like“ da lässt, dann kann das ja nur gut sein, oder nicht? Ein Blick auf aktuelle politische Fachzeitschriften verrät, warum es sich lohnt, Geld dafür auszugeben und nicht alles zu glauben, was im Netz steht.

Qualitätsjournalismus – was ist das?

Influencer erobern den Markt im Sturm. Hört sich wie die Krankheit an, deren Begleiterscheinungen Schnupfen, Husten, Fieber und Heiserkeit sind. Ist es aber nicht. Aber fast. Denn das Wort Influencer kommt aus dem Englischen und gemeint sind damit Personen, die einen großen Einfluss auf eine gewisse Masse an Menschen haben. Solange es nur darum geht, welche Uhr gerade hipp ist und welche Frisur nicht mehr Trend ist, will man ja gar nichts sagen. Das ist Werbung in einer neuen Form.

Aber wenn sich ein Influencer auf einem Social-Media-Kanal mit einer Meinung über die aktuelle politische Lage äußert, kann es gefährlich werden. Denn diese Meinung kann sich wie hartnäckige Influenza-Viren in die Köpfe der Menschen setzen und sie beeinflussen. Nun mag man sich denken, „aber ich hab‘ doch trotzdem noch meine eigene Meinung“ – mag sein. Aber die Zielgruppe der meisten Influencer sind eben nicht die, die eine eigene Meinung haben. Sondern jene, die noch beeinflussbar sind und das sind oftmals Heranwachsende. Man kann also behaupten, dass es sich dabei um die Zukunft handelt. Zukünftige Wähler. Zukünftige Zeitschriftenkäufer. Gegen die Influencer wird man nicht mehr ankommen, die sind da und sie sind ein Teil der „Medienlandschaft“. Oft läuft die Beeinflussungen dabei unterhalb der bewussten Wahrnehmungsschwelle ab.

Es liegt an den Medien, den Kindern und Jugendlichen von heute eine politische Fachzeitschrift wieder schmackhaft zu machen. Leser-Blatt-Bindung. Natürlich kann ein 14-Jähriger noch nichts mit dem SPIEGEL anfangen. Aber DER SPIEGEL hat z.B. das Magazin Dein SPIEGEL, das ab neun Jahren gelesen werden kann. Man muss wieder dahin kommen, dass Kinder sagen „Wenn ich mal groß bin, lese ich den SPIEGEL“. Dieses langfristige Ziel kann man nur erreichen, wenn man die Eltern der Jugendlichen auch wieder erreicht. Denn die leben es vor, Influencer hin oder her.

Probleme mit der Generation Eltern

Nun könnte man sagen, die Eltern zu erreichen ist doch kein Problem. Eine Umfrage hat aber z.B. gezeigt, dass von 3.000 Befragten über 18 Jahren, nicht einmal die Hälfte wusste, was der Pressekodex ist. Dass ein Journalist bzw. ausgebildeter Redakteur eben nicht einfach schreibt, wie es ihm gerade in den Kram passt. Es ist also ein Problem die Eltern zu erreichen.

Und die Quintessenz der Umfrage ist auch nicht gerade verwunderlich: Menschen, die den generellen Aufbau der Medienlandschaft nicht verstehen, sind grundlegend eher skeptisch gegenüber deren Veröffentlichungen. Gemäß dem alten Sprichwort „Wat de Bur nich kennt dat frett he ni“, also was der Bauer nicht kennt, isst er nicht.

Die Lehre aus solchen Umfragen: Das Vertrauen kann man nicht zurückgewinnen, in dem man das Problem wegignoriert. Politische Fachzeitschriften wie andere politische Medien müssen zusehen, dass sie das Vertrauen zu ihren Lesern wieder herstellen können. In dem man sich den Sorgen und Ängsten annimmt. In dem man ihre Fragen beantwortet. Und es kann auch helfen, wenn in der Schule Kinder schon früh, mit unterschiedlichsten Politikmedien in Berührung kommen. Dass man nicht nur die Kinder erreicht, sondern am Ende auch deren Eltern. Die Hauptsache ist, im Dialog zu bleiben.

Politische Tageszeitungen

Ein Blick ins Zeitschriftenregal zeigt dem potenziellen Leser eine Bandbreite an politischen Magazinen auf. Neben den kleinen Stadt-Tageszeitungen gibt es noch die überregionalen Tageszeitungen wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung, kurz FAZ, oder die Süddeutsche Zeitung. Das Tagesblatt hat seinen Weg erstmalig am 1. November 1949 in den Handel gefunden und erreicht heute noch täglich 760.000 Menschen mit ihrem Printdruck. Mit mehr als 41 Auslandskorrespondenten kann man der FAZ ohne Weiteres eines der größten Korrespondenznetze der Welt zusprechen. Unter den führenden Leitmedien Deutschlands gilt die FAZ noch als sehr konservativ. Aber besonders in gesellschaftspolitischen Diskussionen nimmt die Zeitung eine gewichtige Rolle ein, die Debatten immer wieder aufnimmt und weiterführt.

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Cover der FAZ

Direkter Konkurrent ist die Süddeutsche Zeitung, auch nur Süddeutsche oder SZ genannt. Sie erscheint schon seit dem 6. Oktober 1945, also unmittelbar nach Kriegsende. Mit Hauptsitz in München genießt die SZ in jeder Ausgabe die Reichweite von circa 1,24 Millionen Lesern. Unter Journalisten gilt die SZ schon seit 2005 als das Leitmedium Nummer eins. Mit Redaktionsbüros in zehn großen Städten Deutschlands ist ein wichtiger Teil die kulturelle Berichterstattung. Der Kulturteil folgt direkt auf den politischen Teil. Berühmt ist die Süddeutsche auch für ihre selbsternannte SEITE DREI. Dort werden Hintergrundartikel und Reportagen veröffentlicht.

Politische Fachzeitschriften

Anders als die FAZ oder die SZ erscheinen z.B. DER SPIEGEL, Focus oder stern wöchentlich. Angefangen mit dem SPIEGEL, den es seit 1947 im Handel gibt. Mehr als sechs Millionen Leser erreicht das unabhängige Nachrichtenmagazin jede Woche. DER SPIEGEL hat sich seit Beginn in seinem eigenen Statut dazu verpflichtet „Alle im Spiegel verarbeiteten und verzeichneten Nachrichten, Informationen, Tatsachen müssen unbedingt zutreffen. Jede Nachricht und jede Tatsache ist […] peinlichst genau nachzuprüfen.“ Mittlerweile verwalten mehr als 50 Mitarbeiter das SPIEGEL-Archiv, das als das größte eines Nachrichtenmagazins gilt. In den 1960er und 70er Jahren hat DER SPIEGEL durch eine Beteiligung an mehreren politischen Affären polarisiert, zum Teil selbst darin verwickelt, aber auch öffentlich gemachte.

Focus Cover

Focus Cover

1948 zog Gruner + Jahr nach und brachte den stern auf den Markt. Begründer war kein Geringerer als Henri Nannen. Nach ihm ist eine Journalistenschule benannt und auch der Preis, der einmal im Jahr einem Journalisten verliehen wird, der auf sich durch besonders hochwertigen Qualitätsjournalismus aufmerksam machte. Es gibt ihn also noch, den Qualitätsjournalismus in politischen Fachzeitschriften, die alles andere als „Lügenpresse“ sind.

 

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