Personalwechsel gehören in der Medienbranche zum Alltag, doch manche markieren das Ende eines ganzen Kapitels. Bettina Steinke hat die Funke Mediengruppe nach acht Jahren verlassen und gibt damit die Leitung der digitalen Reichweitenmarken ab. Es sind Marken, die sie über Jahre selbst mit aufgebaut hat, von “Der Westen” über “News38” bis zu “Berlin Live”. Ihr Weggang ist deshalb mehr als eine Personalie, er ist ein guter Anlass, einmal genauer hinzuschauen, wie regionaler Digitaljournalismus in Deutschland groß geworden ist.
Inhaltsverzeichnis
- Ein Abschied auf eigenen Wunsch
- Der Einstieg 2018: von Burda Forward nach Essen
- Ein kurzer Abstecher zur “Bild” und die Rückkehr
- Wie aus “Der Westen” eine überregionale Digitalmarke wurde
- Neue Angebote für neue Regionen
- True Crime trifft Schlager: der Podcast “SoKo Schlager”
- Was der Abschied für Funke Digital bedeutet
- Fazit: Köpfe prägen den digitalen Journalismus
Ein Abschied auf eigenen Wunsch
Zum 1. September ist Bettina Steinke bei Funke ausgeschieden. Wie das Unternehmen mitteilt, ging sie auf eigenen Wunsch, um sich neuen beruflichen Herausforderungen zu widmen. Wohin ihr Weg führt, ist bislang nicht öffentlich. Acht Jahre in einem Haus sind in der schnelllebigen Digitalbranche eine lange Zeit, und die Bilanz, die die Chefredakteurin hinterlässt, fällt entsprechend umfangreich aus.
Der Einstieg 2018: von Burda Forward nach Essen
Ihre Funke-Geschichte beginnt 2018 mit dem Wechsel von Burda Forward. Am Standort Essen stieg sie in eine Redaktionsstruktur ein, die damals noch im Entstehen war. Als stellvertretende Chefredakteurin gestaltete sie den Aufbau und die Entwicklung der Reichweitenportale “Der Westen”, “News38” und “Thüringen24” mit, also genau jener Angebote, die Funke heute im digitalen Nachrichtengeschäft breit aufstellen. Ein besonderer Schwerpunkt lag dabei auf dem inhaltlichen Ausbau von “Der Westen” im Ruhrgebiet und in Nordrhein-Westfalen.
Ein kurzer Abstecher zur “Bild” und die Rückkehr
Im Mai 2021 wechselte Steinke als stellvertretende Nachrichtenchefin von “Bild” zu Axel Springer. Der Ausflug nach Berlin blieb allerdings eine Episode, denn Anfang 2022 kehrte sie als Chefredakteurin zu Funke zurück und übernahm die Verantwortung für jene Newsportale, die sie zuvor als Stellvertreterin mitgeprägt hatte. Solche Rückkehrer sind in der Branche keine Seltenheit, und sie sagen meist etwas darüber aus, wie gut jemand ein Produkt und ein Team wirklich kennt.
Wie aus “Der Westen” eine überregionale Digitalmarke wurde
Der Kern ihrer Arbeit lag im Ausbau von “Der Westen” zu einer Marke, die über die Region hinaus Reichweite erzielt. Regionale Nachrichtenportale mit nationaler Sichtbarkeit sind ein anspruchsvolles Modell, weil sie lokale Nähe und überregional interessante Themen gleichzeitig bedienen müssen. Genau diese Balance hat Funke in den vergangenen Jahren austariert, und Steinke trug als Chefredakteurin die redaktionelle Verantwortung dafür.
Neue Angebote für neue Regionen
Parallel wuchs das Portfolio deutlich. 2020 entstand mit “moin.de” ein Angebot für den Norden Deutschlands, 2023 folgte “Berlin Live” für die Hauptstadt. Anfang 2024 ergänzte Funke die Familie um die Entertainment-Marke “schlager.de”, die per Zukauf ins Haus kam und ebenfalls in Steinkes Verantwortungsbereich fiel. Aus einer Handvoll regionaler Portale ist so ein Netzwerk geworden, das geografisch von Nordrhein-Westfalen über Thüringen und Niedersachsen bis nach Hamburg und Berlin reicht und thematisch bis in die Unterhaltung hineinwirkt.
True Crime trifft Schlager: der Podcast “SoKo Schlager”
Besonders spannend ist ein Projekt, das Steinke 2025 selbst als Host übernommen hat. Im Podcast “SoKo Schlager” verbindet sie investigative Recherche mit dem Genre True Crime, ein Format also, das journalistisches Handwerk und Unterhaltung zusammenbringt. Für ein Portal wie “schlager.de” ist das eine kluge Erweiterung, weil Audioformate Nutzer erfahrungsgemäß länger binden als klassische Artikel. Zusätzlich gehörte Steinke seit 2025 dem Krisenstab von Funke an.
Was der Abschied für Funke Digital bedeutet
Stephan Thurm, Geschäftsführer der Funke-Digitalsparte, würdigt ihre Leistung ausdrücklich und dankt ihr für den “erfolgreichen Aufbau der Unit” sowie deren Weiterentwicklung über Jahre hinweg. Wer die Chefredaktion künftig übernimmt, hat das Unternehmen bislang nicht kommuniziert. Für Funke Digital ist die Position eine Schlüsselrolle, denn die digitalen Reichweitenmarken zählen zu den wichtigsten Wachstumsfeldern des Hauses.
Fazit: Köpfe prägen den digitalen Journalismus
Der Wechsel zeigt gut, wie stark einzelne Personen die digitale Medienlandschaft formen. In acht Jahren hat Bettina Steinke Portale aufgebaut, Marken zugekauft und integriert, neue Regionen erschlossen und mit einem Podcast journalistisches Neuland betreten. Wie sich die Reichweitenmarken von Funke ohne sie weiterentwickeln und wohin es die Chefredakteurin als Nächstes zieht, wird die Branche genau beobachten. Die Medienlandschaft bleibt in Bewegung, und Personalien wie diese sind oft die ersten Vorboten größerer Veränderungen.