Der Olympia-Verlag schlägt beim Traditionsmagazin Kicker neue Wege ein und verabschiedet sich vom klassischen Chefredaktionsmodell. An die Stelle der bisherigen Doppelspitze tritt ab Sommer 2026 ein siebenköpfiges Editorial Board, das die digitale Transformation des Sportmediums vorantreiben soll. Mit Tobias Goldbrunner kommt ein erfahrener Medienmanager als Editorial Director an Bord, der die neue Führungsstruktur koordiniert. Die Neuaufstellung ist Teil eines umfassenden Transformationsprojekts, das den Kicker fit für die digitale Zukunft machen soll.
Inhaltsverzeichnis
- Strategische Neuausrichtung nach Chefredaktions-Abgang
- Tobias Goldbrunner: Vom Bundesliga-Judoka zum Editorial Director
- Drei Säulen, sechs Köpfe: So funktioniert das neue Editorial Board
- Digital First: Transformation mit klarem Fokus
- Starke Position im digitalen Wettbewerb ausbauen
- Fazit: Mutiger Schritt in die digitale Zukunft
Strategische Neuausrichtung nach Chefredaktions-Abgang
Die Entscheidung für das neue Führungsmodell hat Vorgeschichte: Bereits im Mai 2025 verließen die langjährigen Chefredakteure Jörg Jakob und Alexander Wagner überraschend das Traditionshaus. Seitdem steuerte eine Interimsleitung aus der erweiterten Führungsebene das operative Geschäft. Diese Übergangsphase nutzte der Verlag, um gemeinsam mit dem externen Medienberater Jenne Beckmann ein völlig neues Redaktionskonzept zu entwickeln. Das Ziel ist klar formuliert: Der Kicker soll konsequent auf Digital First, Multimedialität und Premium-Content ausgerichtet werden. Ein ambitioniertes Vorhaben für ein Magazin, das seit Jahrzehnten zu den Leitmedien im deutschen Sportjournalismus zählt.
Tobias Goldbrunner: Vom Bundesliga-Judoka zum Editorial Director
Mit Tobias Goldbrunner holt sich der Olympia-Verlag einen erfahrenen Medienmacher ins Haus, der die digitale Transformation bereits bei der VRM Mediengruppe vorangetrieben hat. Dort verantwortete er als Chefredakteur Nachrichten die Digitalisierung der Redaktionen von Titeln wie der Allgemeinen Zeitung, dem Wiesbadener Kurier oder dem Darmstädter Echo. Zuvor war er Gesamtsportchef bei der VRM, ein Bereich, der ihm offensichtlich am Herzen liegt. Als ehemaliger Bundesliga-Judoka kehrt Goldbrunner nun zum Thema Sport zurück und übernimmt ab dem 1. Juni 2026 die Gesamtverantwortung für das Redaktionsmanagement beim Kicker. Seine Aufgabe: die Weiterentwicklung der Marke im zunehmend digitalen Wettbewerb voranzutreiben.
Drei Säulen, sechs Köpfe: So funktioniert das neue Editorial Board
Das Editorial Board ist in drei zentrale Bereiche gegliedert, die jeweils von einer Doppelspitze geführt werden. Diese Struktur soll Expertise bündeln und gleichzeitig verschiedene Perspektiven einbringen. Für Planning & Operations zeichnen André Dersewski und Peter Glaser verantwortlich. Dersewski gehörte bereits der Interimsleitung an und bringt tiefes Kicker-Know-how mit. Glaser wechselt nach erfolgreicher Projektarbeit nun fest in die Redaktion und soll seine digitale Expertise einbringen.
Den Bereich Content & Storytelling verantworten Matthias Dersch und Benjamin Hofmann. Dersch ist langjähriger Kicker-Reporter mit Schwerpunkt Borussia Dortmund und deutsche Fußball-Nationalmannschaft. Er bringt umfassende Erfahrung in verschiedenen Medienformaten mit, von Text über Video bis Audio. Hofmann ergänzt das Duo mit seinem starken Netzwerk in der Fußball-Branche und dem Fokus auf exklusive Inhalte, die den Kicker von der Konkurrenz abheben sollen.
Für Distribution & Newsroom setzt der Kicker auf Jörn Petersen und Julian Meißner. Petersen ist seit 2006 Teil der Kicker-Mannschaft und gilt als versierter Homepage-Manager im tagesaktuellen News-Geschäft. Meißner kommt neu zum 1. April 2026 von Sport1, wo er zuletzt als Director News und Mitglied der Chefredaktion die Nachrichtenredaktion leitete. Diese Mischung aus internen Leistungsträgern und externen Experten soll frischen Wind und bewährtes Know-how vereinen.
Digital First: Transformation mit klarem Fokus
Die Neustrukturierung ist mehr als nur eine organisatorische Umstellung. Sie markiert einen fundamentalen strategischen Wandel. CEO Bärbel Schnell betont die Bedeutung des neuen Gremiums: Die gelungene Mischung aus internen Leistungsträgern und neu verpflichteten Experten soll die Marke mit journalistischem Gespür weiterentwickeln. Das Transformationsprojekt zielt darauf ab, eine storyzentrierte Arbeitsweise zu etablieren und die Redaktion konsequent auf digitale Formate auszurichten. Dabei geht es nicht nur um die Produktion von Online-Content, sondern um eine grundlegende Veränderung der redaktionellen Prozesse und des Führungsverständnisses.
Begleitet wird der Umbau vom externen Medienberater Jenne Beckmann, der die Bedeutung der Kommunikation im Veränderungsprozess hervorhebt. Regelmäßiger Austausch soll mögliche Ängste in der Belegschaft abbauen, die Redaktion bestmöglich in den Prozess einbinden und ein neues Führungsverständnis entwickeln. Eine Herausforderung in einer Branche, die sich rasant wandelt und in der digitale Reichweite zunehmend über Erfolg oder Misserfolg entscheidet.
Starke Position im digitalen Wettbewerb ausbauen
Mit bis zu 17 Millionen Unique Usern pro Monat zählt der Kicker bereits heute zu den reichweitenstärksten digitalen Sportangeboten in Deutschland. Diese Position will der Olympia-Verlag nicht nur halten, sondern weiter ausbauen. Der Umbau der Redaktion unterstreicht diesen Anspruch. Die neue Organisationsstruktur startet offiziell nach der Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer 2026. Bis dahin bereitet das Editorial Board bereits die künftigen Teamstrukturen vor, während die Interimsleitung das operative Geschäft weiterführt.
Die Neuaufstellung kommt zu einer Zeit, in der das Haus auch personelle Veränderungen verkraften musste. Der langjährige Vermarktungschef Martin Schumacher verließ den Olympia-Verlag zum Jahresende 2025. Umso wichtiger erscheint es, mit dem neuen Editorial Board Stabilität und gleichzeitig Innovation zu schaffen. Die Branche beobachtet gespannt, ob das neue Führungsmodell den Kicker erfolgreich ins digitale Zeitalter führen kann, ohne die journalistische Qualität zu opfern, die den Traditionstitel auszeichnet.
Fazit: Mutiger Schritt in die digitale Zukunft
Die Entscheidung des Olympia-Verlags, die klassische Chefredaktion durch ein Editorial Board zu ersetzen, ist bemerkenswert. Sie zeigt, dass auch Traditionshäuser bereit sind, neue Wege zu gehen, wenn es darum geht, im digitalen Wettbewerb zu bestehen. Die Mischung aus erfahrenen Kicker-Kennern und externen Experten verspricht sowohl Kontinuität als auch frische Perspektiven. Ob das Modell aufgeht, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Eines ist jedoch sicher: Der Kicker stellt sich den Herausforderungen der digitalen Transformation aktiv und mit einem klaren Plan. Das verdient Respekt in einer Branche, in der viele Medien noch nach dem richtigen Weg suchen.